Thursday, 25. september 2008 4 25 /09 /Sept. /2008 02:45
- von mumie99 - veröffentlicht in: Kino, TV, DVD

Wall-E Juhu, Vorpremieren sind etwas Schönes. Eigentlich kommt der neue Pixar-Film offiziell in Deutschland erst heute in die Kinos. Mich hat der kleine Roboter aber bereits gestern Abend schon in die Premierenvorstellung gelockt. Durch unzählige Trailer war die Vorfreude in den letzten Wochen bereits auf dem Höhepunkt und der gestrige Tag wurde herbeigesehnt. Zu großartig wirkten die Ausschnitte von Wall-E, der sich scheinbar aufmacht am Thron von Findet Nemo mehr als kräftig zu rütteln.

Warum mich die Trailer so begeisterten, ist im Übrigen ganz einfach zu erklären:

Wall-E weckt Kindheitserinnerung in mir, denn für mich sieht der kleine Roboter aus, wie eine süße Mischung aus E.T und Nr. 5, für die ich mich heute noch begeistern kann. Durch diese Hauptcharakterwahl war meine Begeisterung fast schon pauschal im Vorfeld gebucht, denn Wall-E muss man, Handlung und Film völlig vernachlässigend, einfach toll finden.

Vor dem Kinogang war für mich klar, sollten die anderen Figuren und der Inhalt ähnliche Kracher sein, dann würde der großartige Nemo-Film wohl von einem neuen Meilenstein am Animationshimmel abgelöst werden, auch wenn die Trophäe intern weitergereicht würde, da die Macher von Nemo auch Wall-E schöpften.

Die Inhaltsbeschreibung der deutschsprachigen offiziellen Seite des Films, die vor dem Abflug ins Kino noch checkte, klang nach üblicher Story, was aber nicht unbedingt negativ sein muss:

Nachdem Wall-E 700 Jahre das getan hat wofür er gebaut wurde, nämlich Müll zu entsorgen, entdeckt er, wofür er bestimmt ist – als er Eve, einem glänzend schönen Suchroboter, begegnet.

Eve findet heraus, dass Wall-E unbeabsichtigt über die Zukunft der Erde gestolpert ist. Mit dieser Nachricht reist sie schnell wieder zu den Menschen, die im Weltall sehnsüchtig darauf warten, auf die Erde zurückzukehren zu können.

Doch Wall-E ist von Eve so angetan, dass er ihr durch die ganze Galaxie nachreist und damit das aufregendste und erfindungsreichste Comedy-Abenteuer der Kinogeschichte auslöst.

Wall-E Ich finde die Filmbeschreibung im Nachhinein sehr treffend, außerdem spielt sie mir gut in die Karten, da ich, ohne zu spoilern, mich mit meinem Review an die preisgegebenen Informationen halten kann, ohne, dass jemand Angst haben muss, zu viel Details über den neuen Streifen vorweggenommen zu bekommen.

Zu Anfang stehen der Persönlichkeit besitzende Roboter Wall-E (steht übrigens für Waste Allocation Load Lifter Earth-Class), sein Lebensalltag und seine Probleme, die nahezu alle bereits aus den Trailern bekannt sind, im Vordergrund. Sehr schön werden die Aufgaben von Wall-E gezeigt, der seit 700 Jahren selbständig und alleine, die Erde säubert, indem er Müll sammelt, diesen presst und die so entstanden Würfel sauber und ordentlich stapelt.

Die Aufnahmen die ihn bei seinen Arbeiten zeigen sind sehr aufwendig gemacht und beeindruckten mich stark. Erstklassige Animationen, quasi ein CGI-Feuerwerk bot sich mir in meinem recht bequemen Kinostuhl.

Diese stille Beobachtung des lustigen Roboters Wall-E, dem ich wohl noch Stunden beim Arbeiten und Entdecken der Erde hätte zusehen können, wird durch das Auftauchen von Eve (Extraterrestrial Vegetation Evaluator) beendet. Eve, ein hochtechnologischer Kampf- und Suchroboter in kühlem apple-weiß wirkt anfänglich wie das genaue Gegenteil zu Wall-E, der rücksichtsvoll, naiv und neugierig wirkt. Aber Gegensätze ziehen sich bekanntermaßen an und so entwickelt sich eine romantische Roboter-Liebesgeschichte.

Sämtlich Annäherungsversuche, die im Trailer nicht oft genug gezeigt werden konnten, werden bereits binnen der ersten 30 Minuten abgehandelt, so lange sind nur die zwei Roboter am Start und die Dialoge beschränken sich auf: Wall-E?, Wall-E!, EVE? und EVE!

Anschließend bricht der Film dann plötzlich sein Konzept, wohl um irgendwie so etwas wie eine Story zu inszenieren und verlagert die Szenerie ins Weltall, unter anderem hin zu den im Inhalt bereits erwähnten Menschen.

Ironischerweise fand ich die erste halbe Stunde des Films, bis zu diesem Umbruch, wahrlich sensationell gut, obwohl die Geschehnisse in drei bis vier Sätzen, wie in der Inhaltsangabe geschehen, erzählt sind. Die tollen Animationen und erstklassigen Hauptfiguren, die alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, hätten mir glaub noch einige Zeit genügt, denn ich war kurz davor oder auch schon danach Wall-E zum besten Animationsfilm aller Zeiten zu erklären, denn durch Mimik und Gestik der Roboter war ich eine halbe Stunde mehr als vorzüglich unterhalten worden.

Durch den Bruch, der wohl gedacht war um Story und Inhalt aufzunehmen, verliert der Film aber in meinen Augen viel zu viel an Fahrt. Ich werde die, jetzt über die Inhaltsangabe hinausgehenden, Details nicht weiter auswalzen. Die sich nun darbietende Story wirkte aber eher 0815 auf mich und Wall-E und EVE gingen im intergalaktischen Raum, der den krassen Kontrast zu verlassenen einsamen Erde darstellte, stellenweise schon fast unter. Durch die Menschen steigt die Dialoganzahl sinnigerweise erheblich, die gebotenen Unterhaltungen haben aber auf keinen Fall Findet-Nemo-Niveau.

Wegen dem weltklasse Auftakt und dem schwächeren Ende springt mit Wall-E insgesamt aber trotzdem ein guter bis sehr guter Film dabei raus. Allerdings ist diese Meinung recht subjektiv und muss für einen Familienausflug definitiv noch abgestuft werden. Ich bin der Meinung, dass der Film Wall-E, trotz der FSK-freien Einstufung, kein Kinderfilm im klassischen Sinn ist.

Die enthaltenen Dialoge sind nicht wirklich wertvoll und wohl gerade für kleine Kinder schwer zugänglich, analog spielt sich viel Handlung im Kopf des Betrachters ab, da nahezu alle Roboter lediglich durch Mimik und Gestik auffallen, die es zu interpretieren gilt. Als wäre das für kleinere Kinder nicht schon alles ziemlich viel, beinhaltet die Story zusätzlich noch eine komplexe Moral, die mit einem erhobenen Finger aufgezeigt wird, sich aber unter Garantie der U10-Generation verschließt. Es fällt mir schwer jetzt eine endgültige Abstufung zu machen, aber ich schätze Kinder, die jünger als 6 Jahre sind, werden wenig Spaß im zweiten Teil des Films haben.

Bei Kindern, bis zu einem Alter von 10 Jahren, könnte auf die begleitenden Eltern eventuell anschließend an den Kinobesuch eine kleine unproblematische Erklärungsarbeit anstehen, falls gewisse filmische Überzeichnungen missverstanden worden sind…

Das alles ist mir persönlich aber völlig egal, denn ich behaupte einfach mal sowohl Mimik, Handlung als auch Moral der Geschichte verstanden zu haben und finde Wall-E, vor allem wegen der erstklassigen Hauptfiguren, stark!

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