Sonntag, 5. oktober 2008
- von mumie99 - veröffentlicht in: Persönlich
Tannen
Die Ausgangslage
Tannen
Die erste Krone ist gefallen.
Tannen
Das Endergebnis nach 6 Stunden Arbeit.

Ein langer Samstag war das gestern. Aufgestanden bin ich um 8 Uhr. Ich habe, da ich erkältet bin, recht bescheiden geschlafen und war noch todmüde. Half aber alles nichts, denn um 9 Uhr sollte die Lebenszeit unsere zwei großen Tannen beendet werden. Missmutig kämpfte ich mich aus dem Bett und zog mich, bei mich bald erwartenden 6 °C Außentemperatur und der Tatsache, dass ich erkältungsbedingt eh ständig am frieren war, besonders dick und warm an.

Beim Frühstück war es dann mit zwei Jogginghosen, zwei Pullis und einem Schal bei angenehmen 20 °C Raumtemperatur doch auszuhalten. Nach meinem ’Ich-bin-krank-Tee’ ging es aber bald darauf raus an die frische Luft. Ich für mein Teil war nach 2 Minuten wieder drin, um eine warme Mütze aufzuziehen, ich will ja schließlich in meinen Semesterferien nicht vollends die Freck kriegen.

Um 9 Uhr erschien ein Kumpel von mir, um meinem Vater und mir beim Erlegen der zwei Nadelhölzer fachmännisch zur Hand zur gehen. Fachmännisch deshalb, weil er gelernter Forstwirt ist und das Fällen per Säge und Gurtabsicherung professionell und ohne Risiko bewerkstelligen wollte. War mir sehr Recht, ich war per Leiter mal auf zwei Drittel der 15m hohen und damit größeren der beiden Tannen und konnte mir ungefähr ausmalen, dass ein Turnen auf der Leiter bei gleichzeitigem Überkopfabsägen einer zentnerschweren Baumkrone kein Spaß machen würde.

Die Herangehensweise des Fachmanns war auch partiell von der Laienmethode zu unterscheiden. Statt halsbrecherische Leitermanöver, die jeden Zirkusartisten zittern lassen würden, sah der Plan so aus:

Von unten nach oben, soweit es die Dicke des Stamms es zulässt, werden alle Äste bis auf ein, ein bis zwei Fußbreiten kurzes, Reststück abgesägt. Per Klettergurt wird der Baum dann ohne Leiter erklommen und im höchstmöglichen Punkt, durch Heraussägen eines keilförmigen Spaltes seiner Krone erledigt. Klingt jetzt ein bisschen wirr, ich krieg es aber nicht besser sprachlich formuliert, denn Zuschauen und aktives Machen und anschließend Erklären sind zwei Paar Schuh.

Auf jeden Fall ging es voran und Ast für Ast viel kontrolliert zu Boden. Kontrolle war in sofern wichtig, da Äste und schon gar nicht die Krone im Nachbarsgarten oder sonst wo landen sollten. Nachdem der Stamm in weiten Teilen astfrei war und lediglich das letzte Drittel dünne Baumkrone noch anstand, wurde diese mit einem Abschleppseil befestigt. Mit einer Motorsäge wurde der Stamm unterhalb angesägt und mit einem Keilschnitt, für die gewünschte Fallrichtung, versehen. Nachdem dann alle aus der Gefahrenzone entschwunden waren, brachten wir die Krone durch Ziehen mit vereinten Kräften zum Fallen. Der kahle Stamm fiel wenig später auch durch die Keilmethode punktgenau. Durch die Hilfe der Motorsäge war der Stamm schnell in vernünftig große Stücke zerteilt, die im Winter verfeuert werden können. Für Äste abschneiden, Tanne Nr.1 fällen und Abfuhr der Grünschnittabfälle zur Sammelstelle gingen mal gut 3 Stunden ins Land und ich hatte, triefend vor Harz schon jetzt, auf gut Deutsch gesagt, die Fresse dick...

Nach einer guten Mittagsessensstärkung durch Zwiebelkuchen ging es der anderen, größeren Tanne auch noch an den Kragen. Die Vorgehensweise war analog, dauert nur verhältnismäßig länger, da die zweite Tanne, wie erwähnt ein Stück größer war. Nachdem die Entastung vollendet war sollte die Krone folgen. Kurz nach den ersten Schnitten mit der Motorsäge, um einen regulierten Abgang einzuleiten, frischte plötzlich ein Wind auf. Sehr lustig, wenn eine Baumkrone, die quasi kaum mehr mit dem Stamm verbunden ist plötzlich zu Schwanken anfängt. Ich hatte auch noch die spaßige Aufgabe in dem Moment alleine am Seil zu stehen, um die Krone ’festzuhalten’.

Letztendlich ist der Koloss, wie sein kleinerer Nachbar auch, ordnungsgemäß gestürzt. Wie viel Power in so 5 Meter Baumkrone stecken, wurde eindringlich durch die kurzen Astreststücke demonstriert, die sich mit voller Wucht 30 cm in den Rasen, oder was davon übrig geblieben war, bohrten.

Für das Fällen der Tannen, inklusive Abtransport von 5 großen Anhängern voll Grünschnitt und das anschließende Kehren von Hof und Umgebung gingen schlussendlich genau 6 Stunden flöten. Ich bin sehr froh, dass sich solche Mammutaktionen zum Glück in Grenzen halten, denn ich war abends, zusätzlich zur krankheitsbedingten Angeschlagenheit, vollend im Eimer.

Die Angeschlagenheit hielt sich auch tapfer bis heute und ich war den ganzen Tag nur am Rumfletzen und hatte auf nichts Lust, was sich auch an der Artikel-Erstell-Frequenz die letzten Tage, inklusive heute leider niederschlägt...

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