Sonntag, 12. oktober 2008 7 12 /10 /2008 00:01
- von mumie99 - veröffentlicht in: Kino, TV, DVD

Burn After Reading Noch nie fiel es mir so derartig schwer meine Meinung über einen Film in Worte zu fassen, wie bei dem aktuell vorliegenden Werk der Coen-Brüder ’Burn After Reading’. Selbst ein überschlafendes Verarbeiten der Eindrücke hat das Bild über den Film nicht wirklich klarer gemacht. Auch die ungefähren Erwartungen, die ich nach dem Lesen dieser Inhaltsangabe hatte, waren nach dem Kinobesuch irgendwie unerfüllt geblieben:

"Burn after reading - Nach dem Lesen vernichten!": So eigentlich müsste die Anweisung für die Lektüre der Memoiren des suspendierten CIA-Agenten Ozzie Cox lauten. Doch daran denken die Fitnesstrainerin Linda Litzke und ihr gutaussehender, aber etwas dümmlicher Kollege Chad Feldheimer natürlich nicht im Traum, als sie zufällig eine CD mit dem offensichtlich brisanten Manuskript in der Umkleidekabine ihres Clubs finden.

Die beiden wittern das ganz große Geschäft mit den geheimen Staatsaffären und beschließen, aus Ozzie einen hübschen "Finderlohn" herauszuquetschen. Vor allem Linda kommt der ungewöhnliche Fund äußerst gelegen: In Gedanken plant sie schon lange eine chirurgische Komplettüberholung - nicht weniger als vier Schönheitsoperationen sollen her, um aus ihr von Kopf bis Fuß eine attraktivere Frau zu machen.

Doch die Geldübergabe klappt nicht so, wie geplant: Ozzie denkt überhaupt nicht daran, auch nur einen müden Cent für eine Sicherungskopie seiner Memoiren zu bezahlen - dafür ist den Amateur-Erpressern schon bald eine ganze Horde diverser Geheimdienste auf den Fersen. Und dann kommen auch noch die Liebesaffären des sexuell umtriebigen Regierungsbeamten Harry Pfarrer und die Russen ins Spiel…

Durch diese Inhaltsangabe meinte ich zu wissen, wie die Haupthandlung irgendwie verlaufen könnte oder würde.

Letztendlich lag ich mit meiner Einschätzung weit daneben, da sich die Filmstory als äußerst zweischneidig herausstellte. Zum einen sind die diversen Handlungsstränge doch irgendwie alle miteinander verbunden und werden im Laufe des Films sinnvoll zusammengeführt und doch wurde ich nie das Gefühl los, dass ein großer Teil des Films als Verkettung unglücklicher Umstände und Missverständnisse zu sehen ist und ich mit Recht am Schluss auf der Suche nach dem tieferen Sinn war.

Der äußerst schwerfällige Beginn des Films, indem sämtliche Figuren, mit ihren hochkarätig besetzten Schauspieler, eingeführt werden ist schnell vergessen, denn der Zuschauer kriegt durch Erzählungen und Parallelhandlung viel Background zu einzelnen Figuren und dem entsprechenden Hintergrundgeschichten auf dem coenschen Silberteller präsentiert. Das Verweben der einzelnen Stränge setzt dann schnell ein und man muss schon aufmerksam am Ball bleiben, um nicht den Faden zu verlieren, bei den zahlreichen Interaktionen der Figuren untereinander.

Ob ich das letztendlich ästhetisch nun als wertvoll betrachte, ist so eine Sache, ich fand den Film insgesamt recht schwerfällig und stellenweise sehr chaotisch.

Lobenswert muss ich aber die Figuren innerhalb des Films erwähnen, nahezu alle Schauspieler haben Rollen inne, die man in der Regel nicht von ihnen erwartet hätte und somit kam ich die ersten Minuten kaum aus dem Staunen heraus.

Besonders die vertrottelte Figur von Brad Pitt, der einen geistig tieffliegenden Fitnesstrainer spielt und es mir schon im Trailer angetan hatte, gefiel mir sehr gut. Aber auch die anderen Figuren, mit ihren großartigen Schauspielern waren äußerst wohldurchdacht geschrieben.

In mehreren Situationen hatte ich das Gefühl, die Figur brechen einfach die Handlung auseinander, nutzen den Raum zur Selbstdarstellung und zum Grimassen schneiden und puzzeln anschließend wieder irgendeine Handlung, die halbwegs sinnig ist, zusammen. Ich hab es jedenfalls selten erlebt, dass Figuren derart im Vordergrund stehen, quasi der Film um die Hauptfiguren geschrieben wurde.

Dadurch dürfte wohl letztendlich die Schwerfälligkeit resultieren, denn so toll auch die Figuren sind, für mich zählt zu einem guten Film aber auch die gute Story. Okay, wenn ich mir da jetzt The Big Lebowski ansehe, finde ich auch keine wirklich hochtrabende Story, aber es hat ausgereicht, um dem Film nachhaltigen Kultstatus zu verleihen.

Diese „Gefahr“ sehe ich bei ’Burn After Reading’ deutlich weniger, obwohl namenhafter besetzt, kann die Story kultmäßig leider letztendlich nicht mithalten und es kommt nur ein durchschnittlicher Film dabei raus.

Mag gut sein, dass ich jetzt zu hart mit dem Film ins Gericht gehe, weil mir der komödienhafte Teil des Films irgendwie verschlossen geblieben ist. Natürlich gab es einen super lustigen Brad Pitt, nur leider war das, was lustig war, bereits aus den Trailern bekannt. Die anderen Figuren waren lediglich durchgeknallt und krass, aber nie auf dem Bode wälzend lustig.

Da mir das regelmäßige Lachen, dass beim Dude ständig der Fall war, zu sehr gefehlt hat, bin ich zwar nicht wirklich von dem Film enttäuscht, aber ich würde keinesfalls soweit gehen, den Film bedenkenlos weiterzuempfehlen, dafür müssen die Coen-Brüder unterhaltungstechnisch noch ein paar Kohlen in Zukunft mehr ins Feuer werfen...

Nachdem Der Love Guru so ein super Reinfall gewesen ist, hab ich jetzt zwar keinen Meilenstein erlebt, aber wenigstens nicht schon wieder das Gefühl ich hätte mit der Kohle auch burn instead of viewing machen können!
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