Montag, 29. dezember 2008 1 29 /12 /2008 10:49
- von mumie99 - veröffentlicht in: Kino, TV, DVD

Magnolia Eigentlich könnte man meinen, dass die ganzen Fernsehsender über Weihnachten nicht mit Blockbustern geizen, dennoch musste man über die Feiertage die echten Perlen in der Programmzeitschrift suchen. Da ich zwischenzeitlich ohne geeigneten Film war und mich nicht in die Sphären von Versprochen ist Versprochen, einem der Filme die beweisen, dass Arnold Schwarzenegger besser nur hirnlose Roboter (Terminator) mimt, herablassen wollte, kam auch die ein oder andere DVD in den letzten Tagen zum Einsatz. Neben The Dark Knight lief auch ein anderer Lieblingsfilm von mir im DVD-Player rund. Die Rede ist von Paul Thomas Andersons Meisterwerk Magnolia, das mit Stars wie Julianna Moore, Philip Seymour Hoffman, Tom Cruise, John C. Reilly, William H. Macy und Alfed Molina aufwarten kann. Ich habe das dreistündige Werk vom Macher von Hits wie Boogie Nights und There Will Be Blood schon öfters gesehen und der Film gefällt mir immer wieder erneut sehr gut.

Während den knapp 180 Minuten werden 9 Einzelschicksale von in Los Angeles lebenden Menschen erzählt und sehr einfühlsam beleuchtet. Diese Einzelgeschichten laufen nach und nach aufeinander zu, bevor im großen Finale sich alle Einzelschicksal basierend auf dem Zufall auf einem Boulevard, der den Namen Magnolia trägt, kreuzen.

Mir gefällt der Weg bis zum regenreichen Finalen sehr gut, nach und nach werden die Figuren vorgestellt und eingeführt und der Zuschauer erkennt langsam aber sicher, dass alle Geschichten spinnennetzhaft miteinander verwoben sind. Ich habe schon öfters Filme gesehen, in denen unterschiedlichste Handlungsstränge vereint werden, Magnolia ist aber anders, etwas Besonderes. Alle Figuren in diesem Drama wirken authentisch, sind glaubhaft und gehen als repräsentativer Querschnitt einer Gesellschaft durch. Alltäglich und unalltägliche Schicksale treffen nacheinander aufeinander und durch die Interaktion der Figuren untereinander entsteht ein genialer Plot, der sich im Laufe des Films in seiner ganzen Bandbreite vor dem Betrachter entblättert.

Am Anfang steht die Einsamkeit und dann wird der Satz „Wir haben mit der Vergangenheit abgeschlossen, aber die Vergangenheit nicht mit uns“ das ein oder andere Mal bewiesen, bevor in dem melodramatischen Handlungsverlauf am Schluss doch noch so etwas wie Hoffnung aufkommt. Ich habe lange überlegt und mir ist kein Film eingefallen, der sich schwerer in Worte fassen lässt, schließlich glänzt Magnolia weder mit Explosionen noch mit Gewalt, die tiefgründigen Dialoge und die markanten Charakterzüge, die perfekt hervorgearbeitet sind, geben den alleinigen Ausschlag. Durch die nichtvorhandene Action und die fehlende Effekthascherei gewinnt der Film an enormen Tiefgang und ich entdecke jedes Mal wieder neue Aspekte, die einzelne Passagen etwas anders beleuchten.

Ein weiteres und absolutes Qualitätsmerkmal ist die Tatsache, dass mir Tom Cruise absolut gut in seiner Rolle gefällt. Von Tropic Thunder mal abgesehen kann mir der Scientologe nie gerecht werden und wird häufig zurecht als Darsteller mit nur einer Mimik eingedost.

In Magnolia spielt Tom Cruise Frank T.J. Mackey, einen arroganten und selbstherrlichen Sex-Guru, der das Buch Seduce and Destroy  (Verführen und Zerstören) geschrieben hat. In dem frauenverachtenden Werk gibt er Tipps und Tricks preis, die das Ziel haben Frauen ins Bett zu kriegen. Parallel dazu gibt Frank T.J. Mackey auch noch Sex-Seminare, um sein männliches und sexuell frustriertes Publikum mit neuer Stärke zu impfen. Die alles überstrahlenden Imperative in dieser Bühnen-Show sind „Zähm die Fotze!“ und „Respektiert den Schwanz!“, die gebetsmühlenartig gepredigt werden. Das Manipulieren von Menschen liegt Tom Cruise offensichtlich im Blut und da ich sein Scientology-Video gesehen habe, nehme ich ihm den psychopatischen und zutiefst gestörten Oberguru auch vollkommen ab.

Das Ganze wird lediglich noch von der anrührenden und perfekt passenden Filmmusik übertroffen, die man mit Aimee Man nicht besser hätte besetzen können. Diese Filmmusik ist auch in meiner Lieblingsszene im hinteren Teil des Films von großer Bedeutung. Recht unvermittelt setzt in einer recht belanglosen Szenen die Filmmusik ein und alle Hauptfiguren singen nacheinander, lokal getrennt das Titellied weiter. Eine bessere Verdeutlichung von Zusammengehörigkeit diverser Handlungsstränge habe ich bisher noch nicht gesehen und daher verleihe ich dem Film Magnolia das Prädikat besonders wert- und anspruchsvoll!

Wer nun neugierig geworden ist und wissen möchte, wie die vom Himmel fallenden Frösche, die auf dem Filmplakat zu sehen sind, zu den komplexen Handlungsaspekten passen, sollte sich diesen Meilenstein der Filmgeschichte nicht entgehen lassen!

Fairerweise sollte ich noch erwähnen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass dieser ausgeklügelte Film eine sehr polarisierende Eigenschaft hat, entweder man liebt den Film und sieht in bis zum Finale an oder aber man gibt entnervt irgendwann auf und verbannt die DVD aus dem Player. Da ich zur liebenden Seite gehöre, spreche ich mich dafür aus, das Wagnis einzugehen und bin gespannt welche Meinungen so in der Blogger-Szene vertreten sind...

Wer sich meine unspoilernde Lieblingsszene vorwegnehmen möchte, kann sie sich einfach schon jetzt ansehen:
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