Shredder Blog

Peking 2008 Fußball Ich schlug gerade die Zeitung auf und fand einen großen Artikel zum Thema Streit um Olympia, der im Profi-Fußball entbrandet ist. Es wurde in vielen Worten berichtet was die Vereine und die betroffenen Spieler sagen, aber leider wurde versäumt die Hintergründe zu beleuchten. Also macht ich mich per Google auf die Suche und fand hier auch nur Berichte über Sanktionen oder andere Konsequenzen aus dem Streitfall resultierend. Die Frage warum es überhaupt zu dem Streit kam und was die Argumente der beiden Streitparteien sind blieb größtenteils unbeantwortet.

Daher habe ich mich entschlossen selbst ein paar Fakten zusammen zu tragen, vielleicht gibt es ja außer mir sonst noch jemand der gerne ein paar weitere Fragen beantwortet hätte, dem würde dann hier geholfen werden:

Dem Wikipedia-Artikel zum Thema Fußball bei den Olympischen Spielen entnahm ich, dass bereits seit 1908 Fußball offiziell zu den olympischen Sportarten zählt. Bis 1992 durften keine Profi-Fußballer an den Olympischen Spielen teilnehmen und es gab keine Probleme. Ab 1992 trat die Regel in Kraft, dass nur noch Profis, die nicht älter als 23 Jahre sind, zur Teilnahme berechtigt sind. Zusätzlich darf jede Mannschaft bis zu drei ältere Spieler zum Turnier melden.

Im Artikel Olympische Sommerspiele 2008/Fußball des Wikipedia-Netzwerkes fand ich den genauen Ablauf des Fußballturniers im Jahre 2008 in Peking.

Beim Turnier der Männer werden 16 Mannschaften, mit einem Kader von je 18 Spielern antreten. Insgesamt werden also 288 Spieler zugelassen.

Aus Europa sind die Halbfinalisten der U21-Europameisterschaft 2007 mit dabei, das wären Belgien, Italien, Niederlande und Serbien. Außerdem im Rennen um eine Olympia-Medaille sind:

Argentinien, Brasilien (beide aus Südamerika),
Honduras, Vereinigte Staaten (beide Nord- und Mittelamerika),
Kamerun, Elfenbeinküste, Nigeria (als Vertreter Afrikas),
Australien, China, Japan, Südkorea (aus Asien),
und Neuseeland (aus Ozeanien)

Okay soweit die faktenlastige Einleitung, damit dürften alle Fragen zum Olympischen Fußballturnier an sich geklärt sein.

Warum gibt es jetzt um dieses Turnier den großen Zoff?

Dafür muss man die Medienmeldungen erst einmal genauer analysieren. Die Spieler, um die der Streit jetzt ausgebrochen ist, heißen u.a. Diego (Werder Bremen), Martin Demichelis (Bayern München) und Rafinha (Schalke 04).


betroffene Spieler Bild: von links nach rechts: Rafinha, Diego und Martin Demichelis

Zusätzlich müssen wir Europäer uns ins Gedächtnis rufen dass fußballerisch bei uns die Weltmeisterschaft und die Europameisterschaft höchstes Interesse genießen, ein Olympia-Turnier im Fußball rangiert höchstens auf Platz der 3 der wichtigsten Nationalmannschafts-Turnieren...

Zum Beispiel in Südamerika ist das ein bisschen anders, dort gibt es logischerweise keine Europameisterschaft. Stattdessen gibt es dort die Copa América, leider ist die weltweite mediale Aufmerksamkeit für dieses Turnier deutlich kleiner als bei der Europameisterschaft. Darum hat die Olympiade einen hohen Stellenwert in Südamerika und kommt direkt nach der Fußball-Weltmeisterschaft.

Diego und Rafinha sind übrigens für Brasilien und Martin Deminichelis für Argentinien nominiert, mit dem Wissen über den Stellenwert des Turniers ist diese Nominierung eine großen Ehre für die Leistungen der Spieler. Es ist daher nur logisch, dass ein gesteigertes Interesse besteht die Einladung auch anzunehmen. Bei der Europameisterschaft 2008 hat sicherlich auch kein deutscher Spieler mit dem Gedanken gespielt die Einladung auszuschlagen, schließlich wurde alles dafür getan, um überhaupt die Zusage zu bekommen...

Damit dürfte erklärt sein, warum die Spieler heiß auf das Turnier sind und unbedingt nach Peking ins Olympische Dorf wollen.

Die andere Streitpartei sind die Vereine, u.a. Werder Bremen, Bayern München und Schalke 04, die Arbeitgeber der genannten Fußballprofis. Nach Europameisterschaft 2008 war die Zeit bis zum Bundesligastart knapp und alle Vereine stecken seit Tagen und Wochen in der wichtigen Vorbereitungsphase. Eine gute Vorbereitung legt die Grundlage für eine gute und erfolgreiche Saison. Laufwege werden abgestimmt, Taktiken verinnerlicht, Standartsituationen geübt und viele weitere Dinge, die eine Spitzenmannschaft gezielt trainiert.

Genau hier liegt der Knackpunkt für den Streit, würden die betroffenen Spieler nun zur Olympiade fahren würden sie einen Großteil der Vorbereitung und Trainingslager versäumen und stünden zusätzlich für die ersten Bundesligaspiele nicht zur Verfügung.

Ich als Manager, der Millionen für die Ablöse bezahlt hat und zusätzlich noch etliches an Asche pro Jahr an den Spieler hinblättert, würde für mein Geld auch unbedingt Leistung und Erfolg sehen und dies geht (nur) über eine intensive Vorbereitungsphase.

Ein unkalkulierbares Risiko der Verletzung des entsprechenden Spielers besteht bei der Olympiade zusätzlich auch, obwohl man sich durchaus auch im Trainingslager schwer verletzen kann....

Die Lage ist sehr verzwickt und mir fällt es, nachdem ich jetzt alle Fakten beleuchtet habe, immer noch schwer mir eine Meinung zu bilden. Ich kann die Argumente von beiden Seiten sehr gut nachvollziehen. Im Fall von Martin Demichelis konnte sich der FC Bayern München mit dem Spieler auf den Verzicht auf das Olympia-Turnier einigen, damit ist das Problem gelöst. In Bremen und auf Schalke brennt unter dessen die Hütte, die Spieler wollen, die Vereine nicht und keine Einigung ist in Sicht.

Ganz aktuell sah ich gerade auf N-24 eine Meldung, dass Rafinha auf eigene Faust, gegen den Willen seines Arbeitgebers, nun nach Peking reist - sicherlich auch nicht die feine englische Art. Schalke-Manager Müller wurde auf dem Sender so zitiert, dass man Rafinha ja schlecht festbinden und in Handschellen zum Training führen könne...

Die Bestätigung der Meldung und mögliche Konsequenzen für Rafinha stehen noch aus.

Um im Allgemeinen bei der Lösungsfindung für das Problem zu assistieren haben sich auch die FIFA und das IOC in den Streit eingeschaltet. Gegenwärtig steht eine Sperre der entsprechenden Spieler im Raum, sollten sie nicht zur Olympiade reisen dürfen. Würde also im konkreten Fall bedeuten: Zwingt Bremen Diego dazu in Bremen zu trainieren und das Olympia-Turnier zu verpassen, dann wird der Spieler Diego für die Bundesliga-Spiele gesperrt, die er normalerweise wegen dem Turnier versäumen würde.

Ein großer Wirrwarr der zurzeit abläuft, momentan werden von allen Parteien sämtliche juristischen Mittel gezogen um Recht zu bekommen. Ich finde die Situation zusammenfassend mehr als nur unglücklich....

Mon, 21. jul 2008 2 Kommentare
Toller Artikel zu einem wahrlich großem Thema. Vor allem Rafinha habe ich nach dieser Aktion, als wahrer Schalker, gefressen...
Falk83 - der 2.08.2008 um 11h32
Die Profifußball verdienen soviel Geld bei ihren Arbeitgeber und sind dennoch so rücksichtslos, ich kann das nicht verstehen... wenn ich die arbeit verweigere werd ich gefeuert!
Makk - der 3.08.2008 um 23h39