Shredder Blog

Nach meinem Ärger mit Klips kann ich nun im Wintersemester nur sehr wenig Veranstaltungen und Seminare besuchen, die ich interessehalber gebucht hatte. Eine der wenigen Ausnahmen ist das Seminar Kevin allein zu Haus: Medienpsychologische Grundlage für die Medienerziehung in der Schule. Nach einer ersten Einführungsveranstaltung ging das Seminar heute mal richtig in die Vollen und widmete sich den ersten beiden Unterthemen mit den Namen Living in a material world... Der Kindermedienmarkt und Viereckige Augen... Quantitative Aspekte der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen.

Im ersten Teil der Sitzung ging es zuerst um die Klärung des Begriffs Kindermedien, mit dem Medien bezeichnet werden, die Kinder als Zielgruppe haben und/oder von den Produzenten explizit als Angebot für Kinder bezeichnet wird.

Heißt also konkret, dass sämtliche Kinderbücher und Disney-Filme als Beispiele für die Gattung der Kindermedien zu sehen wären. Über diese, speziell für Kinder entwickelten, Medien hinaus, nutz ein Großteil der Kinder auch Angebote, die nicht speziell für Kinder entwickelt wurden.

So erfreuen sich Fernseh-Sendungsformate wie Wetten, dass?, Deutschland sucht den Superstar, Popstars, Germany’s Next Topmodel etc. durchaus größere Beliebtheit und werden von Kindern konsumiert, die eigentlich noch nicht das entsprechende Alter haben.

Auch im Computer- und Internetbereich lassen sich solche Phänomene beobachten, hier stehen Counter Strike und Youtube bei den Kindern hoch im Kurs.

Aus eigener Erfahrung, die auf Praktikumseindrücken basiert, kann ich diesen Trend bestätigen, in sämtlichen Grundschulen, an denen ich bisher tätig war, wurden Castingkandidaten verehrt und die Kinder, primär die Mädchen, wurden in der Pause nicht müde von Eindrücken der gesehenen Formate zu berichten.

Pädagogisch orientierte Sendungen wie Wissen macht Ah!, Sendung mit der Maus, Pur Plus u.ä. spielen primär in den letzten Kindergartenjahren und in der Schulanfangsphase eine große Rolle, sehe ich am Fernsehverhalten meines kleinen Bruders, später scheint sich das denn zu wandeln und eine starke Orientierung an Sendungsformate von Privatsendern lässt sich ab Klasse 3, wie in meinen Praktika geschehen, erkennen.

Diesen Trend folgend, sieht auch die Übersicht, nach Feierabend & Klingler (2008, S. 2000), über die erfolgreichsten Sendungen im Jahre 2007 aus:

• Handball-WM: Deutschland – Polen

• Unser Sandmännchen

• Wetten, dass…?

• Charlie und die Schokoladenfabrik

• Deutschland sucht den Superstar

• Handball-WM: Deutschland-Frankreich

• Fußball-EM Qualifikation: Tschechien – Deutschland

• Disneys Kim Possible

Obwohl ich im Vorfeld der heutigen Sitzung ja diese Castingshow-Beobachtungen in der Schule gemacht habe, überraschte mich die Liste mit den erfolgreichen Sendungen doch sehr. Von Charlie und die Schokoladenfabrik und Disneys Kim Possible mal abgesehen, die durchaus ein breites Spektrum an Kindern ansprechen, sind die restlichen Formate sehr erstaunlich.

Beim Sandmännchen handelt es sich zwar ebenfalls noch um eine Kindersendung, allerdings hätte ich diese eher dem bis-8-Jahre-Berreich zugeschoben und hätte mit einer größeren Bedeutung im gesamten Kinderbereich gerechnet.

Dass Sportevents wie die EM-Qualifikationen und die Handball-WM sowohl bei Mädchen und Jungen solch großen Anklang finden, hätte ich ebenfalls nicht gedacht, zeigt aber, dass die nahezu flächendeckende Begeisterung, die sich bei Groß-Veranstaltungen, mit deutscher Beteiligung, durch das Land zieht, auch vor Kinder nicht halt macht! Wenn ich jetzt mal an meiner eigene Kindheit zurückdenke, fing meine Fußballbegeisterung auch schon zu Grundschulzeiten an und die Entwicklung meiner gleichaltrigen Kollegen weißt ähnliche Startpunke für sportliche Begeisterungen auf.

Im restlichen Teil des ersten inhaltlichen Abschnitts wurden diverse Dinge thematisiert, die mir bereits aus den Medien seit geraumer Zeit bekannt sind. So wurde unter anderem über die rückläufigen Umsatzzahlen der Musikindustrie gesprochen, die primär durch Musikpiraterie zu begründen sind. Auch die Tatsache, dass ein Überangebot an CDs, in dem gute Stücke untergehen, nicht für den Absatz förderlich sein kann, steht für mich seit einigen Jahren fest.

Für einen guten und vollständigen Überblick gehören diese Aspekte aber definitiv in den Inhaltsrahmen des Seminars, denn nicht jeder hat sich in den letzten 10 Jahren, fast schon nerdmäßig, so mit Medien beschäftigt...

Die Intention des ersten Themas, Bewusstsein für die Bedeutung der Medienlandschaft zu schaffen, finde ich zusammenfassend sehr gut. Schließlich leben wir in einer mediendominierten Welt und ich persönlich habe mir für die Zukunft auch vorgenommen in Sachen Medien immer am Ball zu bleiben, um mit der Zeit zu gehen.

Schließlich will ich irgendwann als Vater oder Großvater nicht in die Verlegenheit kommen, dass ich keine Ahnung haben, um was es gehen könnte, wenn meine Kinder bzw. Enkel von den neusten medialen Errungenschaften sprechen...

Der zweite Teil der Seminarsitzung, mit Viereckige Augen... Quantitative Aspekte der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen überschrieben, beinhaltete das Erforschen des Mediennutzungsverhaltens der Bevölkerung in Deutschland, ab einem Alter von 14 Jahren und wurde durch Gruppenarbeiten zu unterschiedlichen Aspekten realisiert.

Ich analysierte mit meiner Gruppe die Internetnutzung von Jugendlichen, basierend auf den Daten der Jim-Studie (Jugend, Information, (Multi-)Media) aus dem Jahre 2007.

Die Werte für die tägliche bis wöchentliche Nutzung des Internets bei den zwölf bis 19-jährigen, die bei 83% lag, überraschte mich nicht, nutze doch auch ich seit knapp einem Jahrzehnt das Internet täglich.

Wesentlich interessanter fand ich die Übersicht über die Internet-Aktivitäten, die von den Jugendlichen währen ihrer Online-Zeit vollzogen werden. Die Tatsache, dass 68 % der Mädchen und 75 % Jungen täglich bis mehrmals die Woche Instant Messaging benutzten, fand ich schon durchaus beeindruckend, aber eigentlich hätte ich mir das auch aus Praktikums-Erlebnissen zusammenreimen können.

Schließlich ist es (leider) keine Seltenheit mehr, dass man in der Grundschule von Schülerseiten nach seiner Handy- oder ICQ-Nummer gefragt wird, zu meiner Zeit undenkbar (endlich darf ich das mal schreiben).

Zum Abschluss noch ein Blick über die Nutzung von Web 2.0-Elementen durch Kinder und Jugendlichen, die im Prinzip nicht wirklich Neues präsentiert, denn eine Popularität von Wikipedia, Youtube und MySpace hätte man erwarten können.

Merkwürdig fand ich, dass bei der Umfrage 7 % der Befragten angaben, dass sie gerade das erste Mal von Wikipedia hören, weitere 11 % wissen zwar von der Existenz von dem online Nachschlagewerk nutzten es aber bisher weder aktiv noch passiv.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man in seiner Schullaufbahn an allen Ecken und Enden von Seiten der Lehrer vor der bedenkenlosen Nutzung von Wikipedia gewarnt wird und von daher ist es mir recht unverständlich wie knapp ein Zehntel der Befragten eine wikipedia-unwissendes Leben führen konnten...

Soviel mal dazu, was ich so in der Uni treibe. Ich wird mich jetzt mal regelmäßig zu dem Seminar melden, denn mit Möderische Medien? Verarbeitung und Wirkung von Gewaltdarstellungen bei Kindern und Jugendlichen stehen noch weitere hochgradig interessante Themen auf dem Seminarplan, denen ich mich nach einem Besuch der entsprechenden Sitzung noch mal reflektierend widmen möchte.

Thu, 6. nov 2008 1 Kommentar
Wirklich ein interessantes Seminar, da hätte ich als Mutter sicherlich auch einiges beizutragen, so bleibt mir nur das Kommentieren. Manche Ergebnisse sind wirklich merkwürdig. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, dass mehr pubertierende Jungs als Mädchen, Instant Massaging nutzen. Jungs fassten sich damals beim Briefchenschreiben schon sehr kurz. Der Computer wird ihre Schreibfreude bestimmt nicht erhöht haben.
Die Beliebtheit von Wetten, dass...? hängt sicherlich auch damit zusammen, dass es samstagabends kaum eine familienfreundliche Alternative gibt.
Danke für den nerd-Link, das Wort kannte ich natürlich nicht.
Bitte weiter über das Seminar schreiben.
BettyBlue - der 7.11.2008 um 22h13